Robert Sterl Museum Program Patrons Contact Home
Robert Sterl

Porträt Detail klein (Glasplatte NR_115)

Porträtfoto Robert Sterl, um 1900

Bäume (No 5)
Hessische Landschaft mit Bäumen am Mittag, um 1903
Fotograf: wohl Robert Sterl




Weiden
Gertrud Schäfer (1880 - 1945)
Weiden, um 1905
Gouache/Mischtechnik auf Papier, 37 x 51 cm

Stilles Land
Gertrud Schäfer (1880 - 1945)
Stilles Land am Strom (Elblanschaft), um 1905
Gouache/Mischtechnik auf Papier , 34 x 44 cm

Landschaft mit hohen Bäumen
Gertrud Schäfer (1880 - 1945)
Landschaft mit hohen Bäumen, um 1910
Tusche auf Papier, 21 x 28 cm




Schleife 2011
Juliane Schmidt: Schleife, 2011,
400 Bleistiftrunden auf Papier, 21 x 30 cm,
(c) Juliane Schmidt / VG Bild-Kunst


Wir 2011
Juliane Schmidt: Wir, Fotografie, 2011,
(c) Juliane Schmidt / VG Bild-Kunst


Was nicht passt 2011
J. Schmidt: Was nicht passt, wird passend gemacht,
Fotografien, 2011, (c) Juliane Schmidt / VG Bild-Kunst



Abfrage
Juliane Schmidt: Abfrage, Scan/Fotoabzug, 2011/12,
(c) Juliane Schmidt / VG Bild-Kunst
Rückblick: Sonderausstellungen 2012

Ein Maler im Fokus Robert Sterl und die Fotografie
1. Mai bis 8. Juli 2012

Der Nachlass des Malers Robert Sterl (1867–1932) birgt verschieden fotografische Aufnahmen: Neben Werken namhafter Fotografen finden sich alltägliche Gebrauchsfotos. Passbilder haben sich ebenso erhalten wie „Carte de Visite“, die um 1900 der bürgerlichen Selbstdarstellung dienten. Der Gestaltungswille hoch ambitionierter Fotografen brachte künstlerisch wertvolle Lichtbilder hervor. Neben diesen professionellen Studioaufnahmen sind auch die privaten Amateurfotos von besonderem Interesse. Das Robert-Sterl-Haus präsentiert nun zeitgenössische Vintage-Prints (Originalabzüge) aus diesem reichen Fundus.

Die Sächsische Landesstelle für Museumswesen förderte die Restaurierung und Konservierung einer größeren Auswahl dieser wertvollen und besonders interessanten Fotografien. Weitere Beispiele aus diesem Sammlungsbestand können nun auch in Zukunft unsere Sonderausstellungen punktuell bereichern.

Viele bildende Künstler betätigten um die Jahrhundertwende als Amateurfotografen, so auch Robert Sterl. Auf einem Foto sehen wir ihn sogar mit dem Apparat, ein andermal bedient seine Ehefrau den Auslöser. Sterls Amateurfotos spiegeln um 1903 den Motivschatz seiner Landschaftsgemälde. Tatsächlich wirkten fotografische Aufnahmen vielfach auf die impressionistische Malerei zurück.

Zwei große Porträtisten der Dresdner Kunstgeschichte begegnen sich in der Ausstellung: Der Porträtmaler ließ sich wiederholt von dem Porträtfotografen Hugo Erfurth (1874–1948) ablichten. Originalabzüge stammen aus Porträtsitzungen der Jahre 1908, 1912, 1917 und 1927. Sterls Ehefrau Helene ließ sich ebenfalls im Atelier von Hugo Erfurt porträtieren. In der Ausstellung werden den Fotos einzelne Zeichnungen Sterls zugesellt. So bieten sich überraschende Querverweise zu seinem künstlerischen Schaffen. (Kurator Dr. Andreas Quermann)



STILLES LAND. Gertrud Schäfer (1880–1945)
Gemälde und Zeichnungen der Sterl-Schülerin
15. Juli bis 9. September 2012

Über das Leben von Gertrud Schäfer ist nicht viel bekannt. Von ihrem Werk sind nur wenige Bilder überliefert. Sie wurde am 1. Februar 1880 im belgischen Loth bei Brüssel geboren. Wahrscheinlich kam sie am 13./14. Februar 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden ums Leben. Dabei wurden wohl nicht nur ihre Wohnung und das Atelier zerstört, sondern auch beinahe ihr gesamtes künstlerisches Werk vernichtet – mit Ausnahme weniger, früh bei Verwandten ausgelagerten Arbeiten.

Eine Auswahl dieser undatierten Gouachen, die wohl kurz nach der Jahrhundertwende bis etwa 1910 entstanden sein dürften, wird in der Ausstellung im Robert-Sterl-Haus präsentiert. Einem privaten Leihgeber aus Dresden und der Münchner Galerie SAXONIA [LINK] ist für die unkomplizierte Bereitstellung der gezeigten Werke zu danken, denn damit kann die zu lange unbeachtet gebliebene Künstlerin Gertrud Schäfer nahe ihrer Heimatstadt gewürdigt werden.

Gertrud Schäfer war um die Jahrhundertwende bis 1904 Schülerin in der privaten Malschule von Robert Sterl (1867-1932) in Dresden. Schon 1904 stellte sie auf der Großen Kunstausstellung in Dresden Landschaften aus (u. a. eine farbige Zeichnung „Stilles Land“) – ein Hinweis auf ihre frühe Anerkennung. Bis 1936 war die Künstlerin in Ausstellungen zu sehen, u. a. in Leipzig, Chemnitz, Hamburg, Bremen und regelmäßig in Dresden.

Mit kräftigen Farben fängt Schäfer stille Landschaften ohne Menschen ein. Sie zeigt Gegenden an der Mosel, in Bayern, in der Eifel, im Spessart, in Holland sowie an der Ostsee. Obwohl ihre Landschaftsbilder meist keine bezeichnenden, sondern eher beschreibende Titel tragen, könnten viele Ansichten dennoch aus Sachsen und dem Dresdner Umland stammen.

Gertrud Schäfer schafft romantisch anmutende Blicke in die Natur oder auf einfache bäuerliche Ansiedlungen. Schwingende, ineinander fließende Formen und Silhouetten sind – wie die häufig leuchtenden Grüntöne und der melancholische Gesamtklang der Werke – dem späten Jugendstil zuzuordnen. (Kurator Dr. Andreas Quermann)

Faltblatt zur Ausstellung



















Robert-Sterl-Preis 2012
Juliane Schmidt. wenn alle stricke reisen.
Ausstellung der Robert-Sterl-Preisträgerin 2012
23. September bis 31. Oktober 2012

Die gattungsübergreifenden Werke der aus Görlitz stammenden
und in Dresden lebenden Künstlerin Juliane Schmidt umfassen
Performance/Video, Installation, Fotografie, Klang und Objekte.

Sie reichen thematisch von der kleinsten Zeiteinheit, die im alltäglichen Leben Bedeutung haben kann („Eine Sekunde“, 25 fotografische Einzelbilder aus einem Hotelfernseher-Störbild, 2012) bis hin zur bisherigen Lebensspanne der dreißigjährigen Künstlerin, die in ihrem akustischen „Porträt“ 10.958 Tage akribisch zählt (Klanginstallation, 4 h 50 min, 2012). Sie arbeitet auch gerne mit Sprichwörtern in den Werktiteln. So verweist der absichtlich fehlerhafte Ausstellungstitel auf das oftmals vergebliche Tun der Menschen: „die Stricke gehen auf Reisen“ – ein poetisches Bild.

Juliane Schmidt verwendet herkömmliche Materialien und nutz profane Werkzeuge und Geräte, um altbekannte Formen künstlerischen Arbeitens und Ausstellens – aber auch unseren Alltag – zu hinterfragen. Ein banaler Gegenstand: Plastikbecher, beschriftet mit den Personalpronomen ICH und DU – ineinandergesteckt scheint das jeweils andere Wort milchig gedämpft durch den äußeren Becher hindurch, sodass beides in einem Becher zu lesen ist: ICH und DU fällt in EINS. Diese einfache Rechnung geht im Titel des Werkes auf: ICH + DU = WIR.

Elektronische Reproduktionsverfahren wie Fotografie, Video oder digitale Scanner geraten ins Visier der Künstlerin, wenn sie zum Beispiel während des Scanvorgangs die Abdeckung des Gerätes geöffnet lässt und sich nichts auf dem Glas befindet: Was bildet der Scanner ab, wenn nichts da ist? Oder ist NICHTS etwa doch ETWAS? Klassische Künstlerutensilien wie weißes Din-A4-Papier oder die Hängevorrichtungen des Hauses werden entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung genutzt („Der Haken an der Sache“, Rauminstallation, Perlonschnüre, Haken, 2012); absichtsvoll widersinniger Gebrauch oder sinnfreier Verbrauch wiedersprechen allen Erwartungen: Ein materiell eigentlich gar nicht vorhandenes Kunstwerk verändert den Raum und unsere Wahrnehmung desselben nachhaltig. Excessive Handlungsmuster und akribische Ausführung – teils unter höchster physischer Anstrengung und immensem Zeitaufwand – sind weitere Eckpunkte der Arbeit von Juliane Schmidt.

Aus der musikalischen Grundausbildung der künstlerischen Grenzgängerin stammt ihr Verständnis und Gespür für abstrakte Zeichen- und Notationssysteme. Diese Denkweisen nutzt Juliane Schmidt, um Phänomene und Techniken unserer Lebenswelt zu analysieren. Dabei übersetzt sie serielle Erscheinungen oder Tätigkeiten in konkret Sicht- oder Hörbares: „Mich interessiert das Aufspüren von Systemen, bei denen sich das Resultat selbst erschafft.“

Menschliches Verhalten analysiert und zerlegt Juliane Schmidt, um es zu neuen ästhetischen Eindrücken klanglicher wie visueller Art zusammenzusetzen. Die Künstlerin geht dabei systematisch vor, weshalb ihrer Arbeiten oft spröde und manchmal sogar verstörend wirken können.  Dennoch liegt den Werken eine geistvolle Strategie, ja oft sogar ein geradezu gewitzter Kniff zugrunde.

Obwohl Juliane Schmidt in ihrem Schaffen zuweilen formal streng nach selbst gesetzten oder vorgefundenen Regeln handelt, haben ihre Werke manchmal etwas Verspieltes an sich. Immer wieder treten dabei versteckte Muster menschlichen Verhaltens in den Blick – zuweilen vollzogen in scheinbaren Zwangshandlungen.  Eine Quelle ihrer Arbeit liegt nämlich in der „Auseinandersetzung mit Vergeblichkeit. Es sind Übersetzungsversuche sisyphushafter Bemühungen.“ Juliane Schmidt führt exemplarisch vor Augen, dass serielle Wiederholungen oft unseren Alltag bestimmen. Dabei offenbart ihr erfrischend nüchterner Umgang mit vorgefundenen Dingen und Situationen zuweilen etwas beunruhigend Abgründiges. Es steckt mehr hinter den Dingen, als wir ahnen mögen. (Kurator Dr. Andreas Quermann)

Zur Ausstellungseröffnung am 23. Sept. 2012 wurde
„Das Ende vom Lied“
(Juliane Schmidt) in der Version
für Streichquartett im Sterl-Haus erstmals aufgeführt:
Magdalena Elstner (Violine), Juliane Schmidt  (Violine),
Martin Morgenstern (Viola), Tim Wagner (Violoncello)
LINK: Das Ende vom Lied

Version für Pauke zu sehen in der Ausstellung [LINK]

zu weiteren Videoarbeiten von Juliane Schmidt, siehe:
LINK: vimeo

zu weiteren Werken von Juliane Schmidt, siehe:
LINK: Klasse Monika Brandmeier, HfBK Dresden
Homepage der Künstlerin: [LINK]

Juliane Schmidt: EINE SEKUNDE IST EINE MINUTE IST EINE STUNDE IST EIN TAG, Katalog anlässlich der Abschlussausstellung des Stipendiums Kunstgenerator in der Städtischen Galerie im Park Viersen vom 08.12.2013 - 19.01.2014, hrsg. vom Kunstgenerator, Stadt Viersen, NEW Viersen GmbH, ISBN: 978-3-9813422-9-1