Robert Sterl Museum Programm Freunde Kontakt Start
Jahresbericht 2013 Sonderausstellungen 2013
Robert Sterl



Entwurf Ausstellungsplakat 1928
Robert Sterl: Entwurf zu einem
Ausstellungsplakat, 1928 (Detail)

Steinbrecher um1909
Robert Sterl: Steinbrecher, um 1909/1910

Drei Steinbrecher
Robert Sterl: Drei Steinbrecher, 1910




Anne Kern Steinbruch-1
Anne Kern (c): Steinbruch-1, 2012,
Tuschefeder, 20 x 25 cm


Anne Kern (c): Plateau III / 2, 2008
Öl auf Leinwand, 60 x 120 cm






Kornfeld
R. Sterl: Getreidefeld, um 1902 (WV 520)

Sterlimpression
Fotoimpression (zu Sterl-WV 520), 2012,
(c) Foto: Roland Halbritter



Sterlimpression zu WV 360
Fotoimpression (zu Sterl-WV 360), 2012,
(c) Foto: Roland Halbritter

Erlenau 1900
Robert Sterl: Erlenau, 1900 (WV 360)


CoverLandschaftsimpressionen
Begleitheft: Landschaftsimpressionen
von Roland Halbritter, 2013




Dupont My Boat
Nicolás Dupont (c):
my boat, my friends, my girlfriend, 2013,
Öl auf Leinwand, ca. 50 x 70 cm

Dupont Kapitän
Nicolás Dupont (c): Der junge Kapitän,
2013, Öl auf Leinwand, 30 × 30 cm

Dupont Delphin
Nicolás Dupont (c): Delphin, 2013,
Öl auf Leinwand, 50 × 40 cm

Rahmen-Objekte
Nicolás Dupont (c): Rahmen, 2013,
Wellpappe, Leim, Sprühfarbe
Rückblick: Sonderausstellungen 2013


Robert Sterl: Steinbrecher
Sonderausstellung: 1. Mai bis 7. Juli 2013

Am Beginn seiner freischaffenden Tätigkeit als Landschaftsmaler und Porträtist, nahm Robert Sterl auch Illustrationsaufträge an. Der mittellose Künstler illustrierte 1893 für die populäre Familien-Zeitschrift Universum einen Artikel von Theodor Gampe (1842-1897): Aus den Elbsandsteinbrüchen.

Bis dahin hatte sich der junge Künstler nicht für den Abbau und die Bearbeitung des heimischen Baumaterials interessiert, obwohl sein Vater Steinmetz gewesen war und ihm die sandsteinerne Pracht Dresdens täglich vor Augen stand. Erst aufgrund des Arbeitsauftrages fuhr Sterl in die nahe gelegene Sächsische Schweiz, um dort Steinbruchlandschaften und die Arbeit der Steinbrecher vor Ort zu studieren. 

Nachdem neun seiner Illustrationen in der Zeitschrift mit dem Gampe-Artikel erschienen waren, hätte sich Sterl anderen Aufgaben zuwenden können. Doch die gesehenen Motive und erlebten Szenen waren wohl so inspirierend für den Künstler, dass ihn die Sandsteinbrüche und ihre Arbeiter nicht mehr losließen. 1910 bekannte er sogar: „Für mich ist es schon das allerbeste in Dresden, das heißt in den Steinbrüchen zu bleiben und Arbeiter weiter zu malen. So habe ich ein eigenes Gesicht.“

Intensiv wie kein anderer Maler vor oder nach ihm hat sich der Künstler über dreißig Jahre lang – von 1893 bis in die 1920er Jahre – mit diesem Thema beschäftigt. In Sterls Werken lebt ein Gewerbe fort, dass es heute in der Sächsischen Schweiz in dieser Form nicht mehr gibt, und das damals von Fotografen kaum beachtet wurde. In seinen Bildern kann der Besucher viele Arbeitsschritte der Sandsteinförderung Anfang des 20. Jahrhunderts nachvollziehen. Mit seinem Werk hat Robert Sterl den Arbeitern in den Sandsteinbrüchen der Sächsischen Schweiz ein Denkmal geschaffen.

In der ständigen Präsentation des Robert-Sterl-Hauses werden insgesamt dreizehn Gemälde des Künstlers zum Thema Steinbruch gezeigt. Im Rahmen der Sonderausstellung werden diese Ölbilder nun durch Studien und Skizzen aus dem Archiv ergänzt. Zeitlich reichen diese Zeichnungen von den ersten Studien im September 1893, über die Jahrhundertwende bis in die späte, expressive Schaffensphase des Künstlers. Eine Auswahl dieser Blätter aus dem Archiv wird nun im Ausstellungsraum des Museums zum größten Teil erstmals ausgestellt (Kurator Dr. Andreas Quermann).

Die Möglichkeit, sie zu zeigen, verdanken wir zahlreichen Paten, die mit einer Spende die Restaurierung und dauerhafte Konservierung der Werke unterstützten. Zahlreiche weitere Einzelblätter warten weiterhin auf Ihre Hilfe. Werden auch Sie Pate!




Steinbrucharbeiten – Zeichnung und Malerei von Anne Kern
zu Besuch im Atelier von Robert Sterl,
Kabinettausstellung nur für wenige Tage (9. bis 26. Mai 2013)

In Ergänzung der Sonderausstellung "Robert Sterl: Steinbrecher" zeigt die junge, im nahe gelegenen Wehlen ansässige Malerin und Zeichnerin Anne Kern ausgewählte Arbeiten im Rahmen des internationalen Museumstages 2013 mit dem Motto:
„Vergangenheit erinnern - Zukunft gestalten: Museen machen mit!“

Die 1981 in Dresden geborene Künstlerin Anne Kern wuchs in der Sächsischen Schweiz auf. Von 2000 bis 2002 besuchte sie die Neue Abendschule der Hochschule der Bildenden Künste in Dresden, bevor sie von 2004 bis 2009 Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte. Seit 2009 ist Anne Kern als freischaffende Dipl.-Malerin/Grafikerin in Stadt Wehlen in der Sächsischen Schweiz ansässig. Mit ihrem Laden-Atelier „Kernzone“ zählt sie zu den engagierten Initiatoren der 2012 neu gegründeten Künstler-Interessen-Gemeinschaft „Kunstmeile Wehlen“.

Zu Ihren Motiven zählen neben Landschaften, Bäumen und Porträts, auch die örtlichen Steinbrüche und Felsformationen, die sie sowohl in großem Format in Öl auf Leinwand malt, als auch in Kohle oder Tusche zeichnerisch erfasst. Ihre aus der Naturbeobachtung gewonnen Bilder haben eine Farbwucht, die in der Tradition impressionistischer Maler steht. In den Formen – vor allem in der Grafik – entwickeln sie aus der Anschauung Strukturen, die beinahe abstrakt anmuten und expressive Kraft vermitteln. Es handelt sich um eine starke und eigenständige Position der aktuellen Malerei.
Während die Werke Robert Sterls (1867-1932) an die Steinbrecher um 1900 erinnern, zeigt Anne Kern, dass dieselben Landschaftsmotive heute immer noch einen ästhetischen Zauber ausstrahlen, den es auch in Zukunft für unsere Nachwelt zu erhalten gilt. (Kurator Dr. Andreas Quermann)

Neben 13 Steinbruch-Gemälden und 30 Zeichnungen von Robert Sterl werden nur für wenige Tage 8 Werke von Anne Kern im Robert-Sterl-Haus gezeigt.

<-- Anne Kern (c): Blaue Steine, 2009, Öl auf Leinwand, 125 x 90 cm



Fotoimpressionen - Auf den Spuren von Robert Sterl
Sonderausstellung: 14. Juli bis 8. September 2013

Die Landschaftsgemälde von Robert Sterl scheinen aus einer anderen Zeit zu stammen: Manche seiner Werke bieten einen ungewohnten Blick auf schöne Landschaften, andere erfassen in realistischer Manier das Landleben. Oft schildert der Impressionist unscheinbare Motive in leuchtenden Farben. Insbesondere hatte der Maler eine Vorliebe für leicht erhöhte Standpunkte mit Blick auf absinkende Wiesen, Felder oder Äcker mit ansteigenden Hügeln oder Wäldern im Hintergrund. So wählte er oft Talsenken als Bildmotiv, die er vor allem im Hessen in den Jahren zwischen 1892 und 1904 fand.

Ende des 19. Jahrhunderts wirkte die Fotografie auf die impressionistische Malerei: Licht und Schatten wurden zu eigenständigen Bildwerten. Die Wechselwirkung mit dem technischen Bildmedium war für beide Seiten befruchtend. Und so bedienten sich viele impressionistische Maler der Fotografie.
Robert Sterl besaß ebenfalls eine Kamera und sammelte Aufnahmen von namhaften Fotografen. Als Amateur fotografierte er seine Ehefrau Helene und nutzte für manche Porträtgemälde sogar Fotografien als Vorlage. Eine Sonderausstellung im Sterl-Haus hatte sich 2012 diesem Thema gewidmet: Ein Maler im Fokus – Robert Sterl und die Fotografie (1. Mai bis 8. Juli 2012).

Als Erinnerungsstütze für spätere Gemälde hat Sterl wohl auch selber Landschaften fotografiert. So schrieb er 1911 aus Hessen an seine Frau: „Die Sonne wird, wenn ich zurück bin, gerade so sein das ich sie wenigstens für einige Aufnahmen recht gut gebrauchen kann.“ Von einer anderen Reise berichtete er 1912: „Ich habe Gedächtnisskizzen gemacht und Aufnahmen – Frau Kussewitzky hat auch mit einem sehr guten Apparat für mich einige gemacht.“

Auch heute noch kann man bei Wanderungen in der Natur oder bei Ausflügen aufs Land Motive aus Sterls Werken wiederentdecken: Der Fotograf Roland Halbritter hat in den Jahren bis 2011 für das neue Werkverzeichnis von Robert Sterl viele von dessen Gemälden in Museen und Privatbesitz dokumentiert. Bei Wanderungen kam er später in Gegenden, wo Robert Sterl gemalt hatte – vor allem in Hessen. Da lag es nahe, diese Orte und Motive mit der modernen Kamera neu zu entdecken.

Halbritter: „Auf den Spuren von Sterl. Es begann zunächst damit, Spuren zu suchen: Wer war dieser Maler, der so ungewöhnliche Blickachsen, so ungewohnte Bildkompositionen schuf; mitunter hohe Horizonte wählte oder gar keinen im Bild duldete; der Köpfe, Bäume und Häuser radikal abschnitt, nicht immer, aber häufig – ratsch –  wie mit der Schere; Motive, die andere Maler dieser Zeit gefällig mit ins Bild genommen hätten. (…) Das ist der Fotografie gar nicht so unähnlich: Mit der Messsucherkamera schaue ich noch heute durch den Sucher, stelle scharf, wo ich es will und nicht wie es mir der Apparat vorschreibt. Ich kann selbst entscheiden, wo ich nun Köpfe, Bäume oder andere Motive abschneide. (…) Man lernt zu schauen, man lernt etwas anderes zu sehen und plötzlich erkennt man in der Natur Motive: ja, so hätte das Sterl sicher auch festhalten können.“

So hat sich Roland Halbritter 2012/2013, mit Sterls Werkverzeichnis als Reiseführer in der Hand, erneut auf den Weg gemacht. Der Fotograf wanderte durch dieselben Landschaften wie der Maler zuvor. Dabei entstanden erstaunliche Fotoimpressionen: Manche Landschaften ähneln noch heute Sterls Gemälden. Andere Fotos dokumentieren Veränderungen an dessen Standpunkten. Nicht in jedem Fall lichtet der Fotograf denselben topografischen Ort ab. Häufiger sucht er eine Annäherung an den Sterlschen, vom Impressionismus geprägten Blick. Die Gemälde werden in den Fotografien also nicht einfach imitiert; sie wurden vielmehr vom Fotografen neu interpretiert. Die Ausstellung dokumentiert das Projekt, auf den Spuren von Robert Sterl dessen Impressionen gut 100 Jahre später nochmals fotografisch einzufangen. Zu sehen sind 21 Fotoimpressionen von Roland Halbritter, denen 14 Gemälde Robert Sterl gegenübergestellt werden, darunter drei Leihgaben aus Privatbesitz. (Kurator Dr. Andreas Quermann)

Zur Ausstellung erscheint das Begleitheft: Landschaftsimpressionen von Roland Halbritter. Auf den Spuren von Robert Sterl, Naundorf 2013 | limitierte, nummerierte Auflage von 250 Exemplaren, 20 Seiten mit 13 Landschaftsaufnahmen und 8 Sterl-Gemälden, jeweils mit einer individuell eingefügten Originalfotografie, Verkaufspreis: 5 €






Nach Wehlen fahren...
eine Ausstellung mit Arbeiten von Nicolás Dupont
Ausstellung Robert-Sterl-Preis 2013: 22. September bis 31. Oktober 2013

Die Werke des aus Lindlar bei Köln stammenden und in Dresden lebenden Malers Nicolás Dupont (*1983) spiegeln seine Vorliebe für Malerei: Er arbeitet vorwiegen in Öl auf Leinwand – und oft kleinformatig in thematischen Serien. Doch obwohl sich der junge Künstler in der großen malerischen Tradition Dresdens bewegt, betreibt er sein Metier mit ironischem Augenzwinkern. Der Künstler steht er in der hiesigen Maltradition, die er zugleich kritisch hinterfragt. So beherrscht er die klassischen Techniken: malerische Raffinesse zeigt sich in lasiert durchscheinenden Farbschichten; changierende Untergründe verleihen den Werken einen jeweils spezifischen Klang  – Hintergründe in gedeckten Tönen, die aus der Tiefe leuchten.

Einige Werke entstehen in einem bewussten Arbeitsprozess über einen längeren Zeitraum, viele Bilder sind dagegen Tagewerke. Im Arbeitsprozess wird bei Dupont nicht selten das Thema Malerei selbst befragt, etwa in seiner Serie mit tanzenden Farbtuben oder in den Rahmen-Objekten. In seiner von formalen Zwängen unbeschwerten und vom Ballast der Kunstgeschichte befreiten Arbeitsweise gelingt dem Maler ein persönlicher, teils auch melancholischer Blick auf die Welt – gepaart mit Witz und Lebendigkeit.

Das Erscheinungsbild vieler Werke ist geradezu leichtfüßig. Die eher kleinteilige Malweise verzichtet auf große Gesten und benötigt keine monumentalen Formate, um ihren Charme zu entfalten. Die in einigen Gemälden betont einfache Machart trägt naive Züge und hat etwas kindlich-spielerisches, sowohl in der Ausführung wie in der Themenwahl und in den einzelnen Motiven, die der Maler direkt und ohne Umwege voller Schaffensmut angeht. Kern der Arbeit ist ein unbekümmerter und ehrlicher Umgang mit dem gewählten Genre, ohne dabei auf die feine Peinture zu verzichten.

Für seine Ausstellung im Robert-Sterl-Haus wählt Nicolás Dupont ein maritimes Thema: In den neu entstandenen „Seestücken“ geht der Maler das traditionelle Sujet mit einer für sein Werk typischen Leichtigkeit an. Er zeigt Segelschiffe und Boote, Meeresgetier und Seemänner, aber auch „Freizeitkapitäne“ und „Badenixen“. Die Themenwahl steht in direktem Zusammenhang mit Sterls Wohnort, da sie auf inspirierende Eindrücke zurückgeht, die dem Maler auf seinem Weg nach Wehlen begegnet sind: Bei einer Radtour auf dem Elberadweg von Dresden nach Wehlen und zum Sterl-Haus beobachtete der Künstler zahlreiche wassersportliche Motive entlang des Flusses. In seinem Atelier verarbeitete er die Eindrücke und übersetzt sie in sein malerisches Vokabular.

Ergänzend zum Thema Seefahrt und Leben am Fluss hat Dupont angeregt, auch vier Sterl-Gemälde aus dem Depot zu holen. Diese sonst nicht ausgestellten Werke führen den Besucher schon im Treppenflur in das Thema ein.

Mit viel Witz und teilweise ironisch-fragendem Gestus nähert sich Dupont der Thematik: Er lässt sich im Arbeitsprozess treiben, ohne auf eine bestimmte Wirkung hin zu kalkulieren. Dupont: „Ich wollte etwas schaffen, ganz direkt; Alles beeinflusst mich; Ich will Bilder malen, die ich gut finde.“ Überkommene Erwartungen werden nicht bedient.
Diese Freiheit vermittelt sich dem Betrachter unmittelbar.

Im Atelier des Sterl-Hauses finden sich darüber hinaus objekthafte Arbeiten von Nicolás Dupont. Diese aus profaner Wellpappen in Feinarbeit gefertigten Rahmen hinterfragen einmal mehr das Thema Malerei. Was ist ein Bild? Was trägt zur Bildwirkung bei? Bilderrahmen markieren die Grenze zwischen Nichtkunst und Kunst und dienen – oftmals kunstvoll verziert und vergoldet – zur optischen Aufwertung des Bildes. Nicolás Dupont fertigt Rahmen, die keine Funktion erfüllen.
Diese Rahmen dienen nicht als Bildträger, sie sind selber Bilder. Dupont: "Alles kann Bild sein, alles ist Bild!“ Die Titel der einzelnen Rahmen entnahm der Künstler der Getränkekarte einer Cocktailbar in Dresden: Swimmingpool, Martini Extra Dry,  Frozen Strawberry Daiquiri, Tequila Sunrise. (Kurator Dr. Andreas Quermann)

Ausstellungseröffnung am Sonntag, dem 22. September um 11 Uhr
mit einer musikalische Performance von
Eva − Maria! Sprache − Liebe − Wiederholung − Casino − Minimal
Preisübergabe: Dr. Birgit Dalbajewa,
Vorstand der Sammelstiftungen des Bezirkes Dresden
Begrüßung und Einführung:  Dr. Andreas Quermann, Museumsleiter

Weitere Arbeiten von Nicolás Dupont