Robert Sterl Museum Program Patrons Contact Home
Robert Sterl

Z1362
Am Abgrund (Truppen bei Neufchâtel),
1915, Kohle, 31 x 40 cm (Z 1362)


Plenair
Robert Sterl in Frankreich 1915


Tirol
Ausstellungskatalog, Tirol 2015


ChristopherSimpson
Christopher Simpson (c): Martial Romanko – Klavierspiel (in Sommières, Frankreich), Bleistift, 1992



Jana Morgenstern
Jana Morgenstern (c): 15-10, 2015,
Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm


Gudrun Brückel
Gudrun Brückel (c):
Felswand, durchbrochen IV, 2015
Collage, Aquarell, 70 x 50 cm


Scheffler_Porträts
Claudia Scheffler (c): Porträts, 2015,
(nach Zeichnungen im Wehlener
Steinbruch), Holz, Maße variabel,
ca. 30 x 20 x 15 cm

SteinbruchZ704
Robert Sterl: Steinbruch, Bleistift, 1911




Dana_Berg
Dana Berg (c): this is not a lovesong. Einladungskarte 2015

DanaBergBouquet
Dana Berg (c): Bouquet II, 2013

Rückblick: Sonderausstellungen 2015

Zwischen Ruinen und Gräbern
Robert Sterl an der Westfront in Frankreich 1915
Sonderausstellung: 1. Mai bis 5. Juli 2015

Am Ersten Weltkrieg nahm Robert Sterl als Künstler teil. Obwohl er weder Soldat noch offizieller Kriegszeichner war, durfte er zweimal auf eigenen Wunsch und mit Erlaubnis des sächsischen Kriegsministeriums die deutschen Truppen in Frankreich besuchen. Zunächst reiste er von Januar bis Juni 1915 an die Westfront, und dann nochmals für mehrere Wochen im Herbst. Hauptsächlich hielt er sich an Kriegsschauplätzen in der Gegend nördlich von Paris bei Vouziers und Juvincourt auf.

Aus seinen Feldpostbriefen lassen sich eine patriotische Stimmung und Begeisterung für „die wundervolle und ganz herrliche Truppe“ herauslesen; Sterl betrachte „das Ganze als Studienreise mit außerordentlichem Material“; denn: „Es gibt hier fabelhaft viel zu erleben und zu arbeiten" […] „ich bin daher der ganz sicheren Zuversicht, daß die Deutschen einfach unbesiegbar sind.“ [Feldpost vom 30.1. / 21.3. und 4.2.1915]

Sterls Bilder dienten – trotz seiner Kriegsbegeisterung – kaum der Propaganda, denn idealisierte Heldendarstellungen oder nationalistische Inszenierungen sind bei dem Realisten so gut wie nicht zu finden. Wie schon auf seinen Russlandreisen und in den Steinbruchbildern interessierten den Maler vielmehr die Landschaft und der Mensch in seiner individuellen Persönlichkeit oder als kraftvoll agierende Gruppe. Seine Kriegsdarstellungen entstanden ohne zeitliche Distanz und kritische Reflexion der Ereignisse, denn Sterl zeichnete direkt vor Ort und damit unter dem unmittelbaren Eindruck der Erlebnisse: Truppen, Porträts, Beerdigungen, Ruinenlandschaften. Er ließ sich geradezu mitreißen: „Das ist das Größte in meinem Leben“ [17.2.1915]. Nur am Rande äußerte Sterl auch Entsetzen über die Kriegsgräuel: Er habe „die ganze gewaltige Größe des menschlichen Elends tief erschüttert erlebt.“ „Die Zeit hier auch ist entsetzlich und dieser Krieg ganz furchtbar.“ [19.1./ 8.10.1915]

Sterl vollendete nur wenige Gemälde zum Kriegsthema und die meisten davon sind nicht erhalten geblieben; zahlreich dagegen die Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle. Die Sächsische Landesstelle für Museumswesen förderte die Restaurierung und Konservierung einer größeren Auswahl dieser wertvollen und historisch besonders interessanten Werke. Nach 1918 war das Thema für Robert Sterl abgeschlossen. (Kurator Dr. Andreas Quermann)
[Download: Faltblatt-Weltkrieg-Ausstellung_2015]




Malkiste Am Pulverfass. Robert Sterl malt in Südtirol den Ersten Weltkrieg
Katalog zur Ausstellung im Südtiroler Landesmuseum auf Schloss Tirol (Hg.),
20.03.2015 – 07.06.2015,
Tirol/Italien 2015, 227 Seiten, 100 Abbildungen,
Preis: 19,00 € + Versandkosten

Textbeiträge: Biografische Notizen und Anmerkungen zum Krieg, von Andreas Quermann / Tagebuch einer Urlaubsreise in den Krieg. Der Maler Robert Sterl in Südtirol 1917 (S. 29-83) u. Exponattexte (S. 85-161), von Kristina Popova / Anhang: Bozener Tagebuch. Dritter Kriegsherbst in Tirol 1917, von Georg Hirzel aus Leipzig 1918 (S. 163-225)





Musikerbildnisse von Christopher Simpson (*1964)
Kabinettausstellung nur für wenige Tage über Pfingsten (21. bis 31. Mai)
in der Reihe „Kunstmeile Wehlen zu Gast im Atelier von Robert Sterl“
im Rahmen der Aktion „11. Kunst: offen in Sachsen“

Christopher Haley Simpson, geboren 1964 in Lancaster, England | 1983-86 Kunststudium (Malerei, Grafik, Kunstgeschichte) Ruskin School of Drawing, Oxford University | 1986 Diplom für ‘Bachelor of Fine Art’ Oxford University | 1987-88 Stipendium von der British Council für Gaststudium an der HfBK Dresden bei Hubertus Giebe | 1989-90 Teilnahme an Kunstaktionen in Dresden, Berlin und Potsdam. Begegnung mit der Leipziger Maler Hartwig Ebersbach | Seit 1988 freischaffend in Dresden | seit 2011 Atelier im Schützenhaus in Stadt Wehlen | 2012 Mitbegründer der Interessengemeinschaft Kunstmeile Wehlen.

Christopher Simpson zeigt drei Pianisten: Anastasija Cvetkova am Klavier (im Café 100 in Dresden), Öl auf Hartfaserplatte, 2011; Martial Romanko – Klavierspiel (in Sommières, Frankreich), Bleistift, 1992; Der Pianist Christian Janus, drei kolorierte Zeichnungen (Bleistift/Aquarell), 1996





BRÜCHE
Gudrun Brückel | Jana Morgenstern | Claudia Scheffler | Robert Sterl
künstlerische Auseinandersetzungen mit dem ELB.SAND.STEIN
Sonderausstellung: 12. Juli bis 6. September 2015

Robert Sterl (1867-1932) wird vor allem in seinen Darstellungen der Steinbrüche hoch geschätzt. Seine Arbeiten begegnen nun Werken von drei Dresdner Gegenwartskünstlerinnen, die sich auf ihre Weise dem Sujet nähern: Gudrun Brückel (*1954), Jana Morgenstern (*1967) und Claudia Scheffler (*1962) gingen im zurückliegenden Jahr in der Vorbereitung dieser Ausstellung in die Sächsische Schweiz, um gemeinsam vor Ort zu arbeiten. Die drei richteten ihren Blick im Laufe der künstlerischen Expeditionen vor allem auf die Steinbrüche, die auch Robert Sterl vor rund einhundert Jahren stärker fasziniert hatten als die unberührte Natur.

In einem Reisebericht von Ysop Lafleur hatte Gudrun Brückel eine erstaunliche Passage entdeckt: „Ferner die Klippen und Steine an der Seite und im Wasser, an denen ist nicht einmal was dran. Ich verlange zwar nicht, dass es lauter Edelsteine seyn sollen, denn die wären doch schon längst gestohlen, aber doch was bessers als bloßer Sandstein, der ganz grau und gelblich aussieht, und nicht einmal zugehauen ist, wie wir sie auf der Elbe herunter nach Dresden kriegen.“ (Christian August Gottlob Eberhard, 1798)

Ein Jahrhundert später setzte sich Sterl mit einem Text zum Abbau des Elbsandsteins auseinander, weil er ihn illustrieren sollte: "Von Pirna bis hinauf zur Landesgrenze, eine Strecke von nahezu drei Meilen, ist man links und rechts dieses Stromes den steilen Uferfelsen zu Leibe gegangen und hat das schöne, waldige Sandsteingebirge angebrochen, so daß es hier und da einem ungeheuren Trümmerhaufen sehr ähnlich geworden ist. [...] Der Naturfreund hat wenig Freude daran." (Theodor Gampe, 1893/94)

Durch unmittelbare Anschauung vor Ort machten die drei Künstlerinnen sich nun ein Bild von der heutigen Situation und ließen sich davon inspirieren. Gudrun Brückel verarbeitet in ihren Collagen, in die aquarellierte Seidenpapiere eingefügt sind, historische Fotografien von Steinbrüchen. Durch Kombination und Schichtung verschiedener Bildelemente entwickelt sie landschaftliche Fantasien durchbrochener Felswände. Die Malerin Jana Morgenstern nutzt in der Natur gefundene Steine wie eine Schablone. Durch Überlagerungen der nachgezeichneten Konturen entstehen neue Formen. Es bilden sich abstrakte Strukturen und Geflechte. Die wie geschichtet wirkende Räumlichkeit dieser Werke lässt in den einzelnen, sich überlagernden Arbeitsschritten den Entstehungsprozess erkennbar werden.

Claudia Scheffler hat topografische Strukturen und Steinformationen systematisch gesichtet. Es folgten Recherchen in der Lehrmittelsammlung der Geologischen Fakultät und ein intensives „Ab- und Herantasten“ mit Kamera und in Zeichnungen – eine breite Formanalyse der gebrochenen Steine. Auch Gudrun Brückel arbeitet mit Fotografie: In ihren Werken glaubt man Details der Bastei zu erkennen – Arbeiter rücken dem Felsen mit Leitern und Stegen zu Leibe. Wie verloren erscheinen Architekturfragmente inmitten unwirtlicher Felsen. Durch teils verblüffende Zusammenstellungen verwandeln sich wild dramatische Schluchten in gestaltete Kulturlandschaften.

Claudia Scheffler untersucht in plastischen Arbeiten aus Holz und Beton ebenso, wie der Mensch sich den Landschaftsraum angeeignet; wie sich dieser durch Erschließung, Besiedelung, Ausbeutung in Steinbrüchen und Bergwerken oder durch das Anlegen von Wegen verändert. Sie interessiert, wie Stiegen für Wanderer den Naturphänomenen, die im geologischen Prozess durch Sedimentation und Erosion über Jahrmillionen entstanden sind, einen anderen Formcharakter entgegensetzen. Die gebrochenen Sandsteine, deren kantig-eckige, oft quaderförmige Kontur durch menschlichen Eingriff in die Natur – mittels Sägen, Abschlagen und Sprengen – führten Jana Morgenstern zu farbintensiven Gemälden in einer kristallinen Anmutung.

Mit den Worten Claudia Schefflers betreiben die drei Dresdnerinnen künstlerische „Heimatforschung vor der Haustür“. Sie stellt fest: „Der Stein wurde abgetragen, ergänzt, zerkleinert, aufgeschüttet usw. Dadurch ist eine eigenwillige Formenwelt entstanden – eine Mischung aus Un- und Regelmäßigkeit, Berechnung und Zufall,“ so Scheffler. „Das Elbsandsteingebirge erlebte“, so Jana Morgensterns Befund, „sehr dynamische Ereignisse. Mich beeindrucken die Berichte zu den Wandfällungen – eine historische, nur im Elbsandsteingebirge praktizierte und sehr gefährliche Abbaumethode des Sandsteines. Die Sächsische Schweiz ist eine eindrucksvolle Landschaft und ebenso ein Ort permanenter Veränderungen, mit und ohne menschliches Zutun.“ Auch Gudrun Brückel faszinieren diese „Prozesse der Veränderung, des Aufbauens und Zerstörens; sie sind maßgebliche Aspekte der künstlerischen Arbeit. Entsprechend den Lebenskreisläufen und vielfältigen Erscheinungen der Natur in Zeit und Raum entstehen Schichtungen, die sich in den Bildern überlagern und durchdringen.“ [Download: Faltblatt-Brueche-Ausstellung.pdf]

(Kurator Dr. Andreas Quermann)






this is not a lovesong.
Dana Berg | Robert-Sterl-Preis 2015
Sonderausstellung: 20. September bis 31. Oktober 2015

Dana Berg entwirft und fertigt mit spürbarem Zeitaufwand in minutiöser Handarbeit bearbeitete und überaus sorgfältig ausgeführte Objekte. Auf den ersten Blick könnten manche Ihre Werke auch aus industrieller Möbelproduktion stammen, denn Ihre bevorzugten Materialien finden sich in der Wohnumwelt – Holz, Schellack, Fundstücke, Textilien, Holzleim und Wachs. Doch irgendetwas stimmt mit den möbelartigen Dingen und merkwürdigen Objekten nicht! Es wirkt, als hätten sie sich im Nachhinein gespenstisch verändert. Als führten sie ein albtraumhaftes Eigenleben.

Die Künstlerin geht davon aus, dass Menschen, indem sie sich schön einrichten und die Wohnung heimelig gestalten, damit immer auch das eigene Innenleben „gut“ machen wollen: „Im Interieur materialisiert sich das Innenleben des Bewohners; Es drückt den Wunsch des Menschen nach Verortung in der Welt aus.“

Dana Berg spielt mit wohnlichen Erscheinungsformen, damit der Betrachter in die Welt eines anderen Menschen eintauchen kann, die den privat wirkenden Dingen eingeschrieben zu sein scheint. So regen ihre Werke zu imaginären Geschichten in der Phantasie an. Doch finstere Ecken oder unheimliche Stimmungen treten dabei hervor;
es wird eine Art Horror sichtbar, der hinter den Dingen lauert.

So untersucht die Künstlerin, wie eine private Ordnung ins Wanken gerät und die Dinge ein ungewolltes Eigenleben entwickeln – ein Kissen fletscht die Zähne, einem Tisch wachsen Haare. Ihre Werke sind doppelbödig – humorvoll und unheimlich zugleich. Eine seltsame Atmosphäre zwischen Wiedererkennen und Befremden entsteht.

(Kurator Dr. Andreas Quermann)

Die Sammelstiftungen des Bezirkes Dresden vergeben als Verwalter des Nachlasses von Robert Sterl zusammen mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden seit 1997 jährlich den Robert-Sterl-Preis für Meisterschüler. Bisherige PreisträgerInnen waren 1997: Annekatrin Klump | 1998: Jörg Burzinsky | 1999: Antje Blumenstein | 2000: Sebastian Hempel | 2001: Susanne Nosky | 2002: Daniel Kestel | 2003: Susanne Hanus | 2004: Heide Hinrichs | 2005: David Buob | 2006: Michael Mader | 2007: Kai Hügel | 2008: Katja Hoffmann-Wildner | 2009: Paul Pretzer | 2010: Sara Pfrommer | 2011: Franziska Semtner | 2012: Juliane Schmidt | 2013 Nicolás Dupont | 2014: Henrike Pilz | 2015: Dana Berg - LINK: Preisträger 1997-2014