2020

Gemälde von Mona Pourebrahim: Ohne Titel, 2020
Mona Pourebrahim: Ohne Titel, 2020

Mona Pourebrahim
Gelassenheit

Sonderausstellung mit Werken der Robert-Sterl-Preisträgerin 2020
20. September bis 31. Oktober 2020

Unberührte Natur? Vom Menschen unveränderte Landschaften? Diese gibt es im Anthropozän – dem Zeitalter des Menschen – nicht. Auch im Werk der Künstlerin Mona Pourebrahim gibt es keine Rückbesinnung auf eine vermeintlich intakte bzw. ursprüngliche Natur. Im Zentrum ihrer Malerei steht die vom Menschen veränderte Natur und gestaltete oder umgeformte Landschaft, die zum bildbestimmenden Thema ihrer künstlerischen Arbeiten wird.

Die 1985 in Teheran geborene Künstlerin hat sich zunächst mit Porträtmalerei und Stillleben beschäftigt, bevor sie sich der Landschaft zugewendet hat. Ihre Gemälde bestechen durch ihre ungewöhnliche Farbigkeit, die die Landschaften surreal verwandelt. (Eis-) Berge und Felsen, durch Grundwasserabsenkung entstandene Löcher und Krater, diese Landschaftselemente bilden die Motive ihrer Bilder. In einigen Landschaftsansichten sind Raketen und Rauchschwaden zu sehen. Auf diese Weise ist der Mensch im Bild präsent, wenn auch indirekt, anhand von Zeichen, die auf seine Existenz deuten. In anderen Werken ist der Mensch als kleine Gestalt in das Bild integriert. Wie aber das Verhältnis des Menschen zur umgebenden Natur ist, bleibt offen: Eine Figur in ihrem Werk ist als „Romantiker“, eine andere als „Überlebende“ tituliert. Sind die Bildwelten eine Anlehnung an die Landschaftsauffassung der Romantik, ermöglichen sie eine vergleichbare spirituelle Naturerfahrung? Oder ist eine Umkehrung der romantischen Naturerfahrung eingefangen: Begreift sich der Mensch als Teil einer (von ihm selbst) zerstörten Natur? Durch die Maskerade von Figuren findet eine Verfremdung statt. Titel wie „Frösteln“ oder „Das Zurückgelassene“ wirken beunruhigend, die Landschaft erscheint im Kontrast dazu schön, poetisch und auch geheimnisvoll.

Mit dem Medium der Fotografie hat sich Mona Pourebrahim ebenfalls beschäftigt. Für ihre „Studiofotografien“ baut sie Bühnen, die sie teilweise bemalt. Im Entstehungsprozess des Bildes experimentiert sie mit Filmprojektionen, der Einbindung von Monitoren, dem Lichteinfall und der Position von Gegenständen im Raum. Nach der Aufnahme mit einer Sofortbildkamera oder einer analogen Kamera mit Film wird das fotografische Bild nicht weiter bearbeitet.

In der Thematisierung des menschlichen Verhältnisses zur Natur greift Mona Pourebrahim ein aktuell relevantes Thema auf. In Malerei und Fotografie erfindet sie eigene Bildbühnen, die in ihrer Ambivalenz den Betrachter zur Reflexion herausfordern.


Martha Schrag: Frau in der Sonne
Martha Schrag: Frau in der Sonne I, 1908

Martha Schrag (1870-1957)
Zum 150. Geburtstag der Sterl-Schülerin

Sonderausstellung: 19. Juli bis 13. September 2020


„Wie ist denn Ihre Ausstellung ‚Nolde‘ verlaufen? Und jetzt kommt Martha Schrag“ schreibt Robert Sterl nicht ohne Stolz an Friedrich Schreiber-Weigand, den Direktor des Städtischen Kunstmuseums in Chemnitz: 1920, anlässlich ihres 50. Geburtstages, wird der Künstlerin eine große Einzelausstellung gewidmet. In Borna bei Leipzig geboren, in Dresden und Chemnitz aufgewachsen, besucht Martha Schrag von 1898 bis 1904 Robert Sterls Damenmalschule
– sie zählt zu Sterls erfolgreichsten Schülerinnen.

Als Tochter des Chemnitzer Landgerichtspräsidenten ist ihr der Weg als Künstlerin nicht vorherbestimmt. Nach ihrem Unterricht bei Sterl besucht Martha Schrag 1908/09 die „Malschule für Damen“ von Albert Weißgerber in München und entdeckt das Werk von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Käthe Kollwitz. In Chemnitz findet Martha Schrag in dem kunstinteressieren Arzt Dr. Adolf Eberhard Thiele einen engagierten Förderer. Über Thiele ergibt sich die Möglichkeit, in einer Eisengießerei in Chemnitz-Kappel die Tätigkeit der Arbeiter zu studieren: Diese Serie an Zeichnungen und Lithografien steht am Anfang ihres Interesses für Themen und Motive der Arbeitswelt. Schrag ist Gründungsmitglied der Künstlergruppe Chemnitz (1907-1933), erhält 1914 auf der Deutschen Buchgrafik-Ausstellung in Leipzig den Silbernen Preis und ist in Ausstellungen des Deutschen Künstlerbundes, der Berliner und Münchner Secessionen sowie der Künstlervereinigung Dresden vertreten. Das Ende des Ersten Weltkrieges, die Novemberrevolution und die Gründung der Weimarer Republik verarbeitet Martha Schrag in der Mappe „Stürme“ (1920), die in einer geringen Auflage erschienen und in der Ausstellung zu sehen ist: Wie auch in anderen Arbeiten, liegt der Fokus auf dem Schicksal der Frauen. Diese streuen nach Aufstand, Chaos und Sterben symbolisch die neue Saat aus, im Sinne einer neuen Gesellschaftsordnung. Als freischaffende Künstlerin kann Schrag nicht leben, ihren Lebensunterhalt verdient sie von 1910 bis 1931 mit privatem Malunterricht. Zwar erhält Schrag während des Nationalsozialismus kein Ausstellungsverbot, doch auch einige ihrer Werke werden als „entartete Kunst“ aus den Museen entfernt. In die innere Emigration getrieben, malt sie verstärkt Landschaften und Stillleben. Im März 1945 wird ihr Haus in Chemnitz und damit auch ein Teil ihres Werkes beim Bombenangriff zerstört. Nach Kriegsende und in den 1950er Jahren greift Schrag erneut soziale Themen auf und stellt Neubeginn und Wiederaufbau dar. Auch christliche Themen finden nun Eingang in ihr Werk. Öffentliche Anerkennung wird ihr 1950 durch die Verleihung der Chemnitzer Ehrenbürgerschaft zuteil.

Die Ausstellung mit Gemälden, Zeichnungen und Grafiken aus Privatsammlungen gibt einen Einblick in Martha Schrags Schaffen: von den frühen, vom Impressionismus beeinflussten Arbeiten über die expressionistischen Darstellungen sozialer Themen und Ansichten von Industrie- und Kulturlandschaften bis zum eigenständigen Spätwerk. In der ehemaligen DDR vor allem aufgrund ihrer Arbeiterbilder bekannt, ist das künstlerische (Gesamt-) Werk Martha Schrags zu ihrem 150. Geburtstag eine Wiederentdeckung.


Roland Gräfe: Ohne Titel, 2020
Roland Gräfe: Ohne Titel, 2020

Die impressionistische Malerei von Robert Sterl als Inspiration – drei Tage im Steinbruch – Pleinairprojekt

Sonderausstellung: 11. und 12. Juli 2020


Robert Sterl zählt neben Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt zu den bedeutendsten Malern des deutschen Impressionismus. Im Anschluss an sein Studium an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden verbringt er 1892/93 mehrere Monate in Frankreich – die Begegnung mit dem französischen Impressionismus beeinflusst sein Werk nachhaltig. Der Illustrationsauftrag für Theodor Gampes Artikel „Aus den Elbsandsteinbrüchen“, der 1893/94 in der Zeitschrift „Universum“ erscheint, lenkt Sterls Aufmerksamkeit auf die Steinbrüche bei Dresden. Fasziniert ihn zunächst das Lichtspiel, rücken immer mehr die Arbeiter in den Sandsteinbrüchen in den Fokus, die zu seinem eigentlichen Thema werden. Über deren spezielle Bedeutung in seinem Werk ist sich Sterl bewusst. So stellt er 1910 fest:„Für mich ist es schon das allerbeste in Dresden, das heißt in den Steinbrüchen zu bleiben und Arbeiter weiter zu malen. So habe ich ein eigenes Gesicht.”
An Robert Sterls Bilder der Steinbrecher und Steinbrüche knüpft das Pleinairprojekt der Roland Gräfe Stiftung – Stiftung für Kunst und Kultur an. Von Sterl inspiriert, haben die am Projekt beteiligten Künstler drei Tage – vom 6. bis zum 8. Juli 2020 – in einem Steinbruch bei Wehlen gearbeitet. Am Pleinairprojekt teilgenommen haben die KünstlerInnen Clara Bennewitz, Anna Ditscherlein, Maja Drachsel, Wolfgang Frauhammer, Roland Gräfe, Dirk Großler, Anne Kern, Maria Sanchez Exposito, Annalena Selbach, Christopher Haley Simpson und Johannes Jakob Wagner. Die Auseinandersetzung mit den Farben und Formen sowie dem Licht im Steinbruch steht im Zentrum ihrer zeitgenössischen künstlerischen Impressionen.


Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Roland Gräfe Stiftung – Stiftung für Kunst und Kultur entstanden.


Robert Sterl: Atelier in Wittgenborn

Atelier in der Natur.
Robert Sterls Sommeraufenthalte in Hessen

Sonderausstellung: 21. Mai bis 5. Juli

Bis zum Beginn seiner Lehrtätigkeit an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden verbringt Robert Sterl mehrere Wochen im Jahr regelmäßig in Hessen (1892-1904). Diese Tradition geht auf den Besuch der Willingshäuser Malerkolonie in der Schwalm zurück, die Sterl erstmals 1892 zusammen mit dem befreundeten Maler Carl Bantzer aufsucht. Doch Sterl bevorzugt die Abgeschiedenheit und wählt als Ausgangspunkt für seine Erkundung der hessischen Landschaft das künstlerisch noch unentdeckte Töpferdorf Wittgenborn südlich des Vogelberges bei Wächtersbach. Hier kauft er 1899 ein Haus, in dem er auch ein Atelier einrichtet.

Auf seinen Wanderungen in der Schwalm, der Gegend um den Vogelsberg und an der Eder zeichnet Sterl die abwechslungsreiche Landschaft, in zum Teil ausschnitthaften Skizzen studiert er einzelne Baumgruppen, Wolkenformationen oder Waldkuppen. Eingebunden in das Dorfleben fertigt er Porträts der Dorfbewohner an und dokumentiert handwerkliche Tätigkeiten wie das Spinnen. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt die Arbeit der Töpfer ein: Alle Arbeitsschritte – von der Tongewinnung über das Formen an der Töpferscheibe bis zum Brennen des Tons – werden von Sterl erfasst. In vielen Zeichnungen hält er des Weiteren die Arbeit der Bauern auf dem Feld und die Ernte fest. Auch der Schäfer wird zum häufigen Motiv. Bereits 1891 hat sich Robert Sterl dem Kreis der Goppelner Freilichtmaler angeschlossen, 1892/93 hält er sich zu Studienzwecken in Frankreich auf. Seine in Hessen entstehenden Werke zeigen in der Wahl der ländlichen Themen den Einfluss Jean-François Millets und knüpfen an die „paysage intime“ der „Schule von Barbizon“ an: Diese zeigt keine ideale Landschaft, sondern die Schönheit und Eigenheit der realen, heimatlichen Landschaft. In der Wiedergabe der körperlichen Arbeit gibt es Parallelen zu den Arbeiterdarstellungen des Belgiers Constantin Meunier.

In Ergänzung der in der Dauerausstellung präsentierten Werke aus Robert Sterls Zeit in Hessen zeigt die Ausstellung sonst im Archiv verwahrte Zeichnungen und gibt so einen vertieften Einblick in Sterls künstlerisches Schaffen während seiner Malwanderungen in Hessen. Wie wichtig ihm die in Hessen aufgegriffenen Themen auch später noch sind, zeigt nicht zuletzt ein Tonrelief mit der Darstellung einer Ernteszene, die Sterl wenige Jahre vor seinem Tod bei der Bildhauerin Lucie Prussog in Auftrag gegeben hat. Diese ziert bis heute die Fassade seines zweiten Refugiums in der Natur – seines Wohn- und Atelierhauses in der Sächsischen Schweiz.