2022

Bildsinfonien – Musikdarstellungen im Werk des Impressionisten Robert Sterl

01. Mai bis 03. Juli 2022

Schwerstarbeitende Steinbrecher. Das kommt vielen in den Sinn, wenn Sie an Bilder von Robert Sterl (1867-1932) denken. Bereits zu seinen Lebzeiten waren Darstellungen dieser unermüdlichen Arbeiter gewissermaßen ein Markenzeichen des Impressionisten. Etwa 30 Jahre lang, dienten sie ihm als Motiv. Eine vollkommen andere Welt stellen die Konzert- und Opernhäuser dar, in denen Sterl zwischen 1906 und 1914 ebenfalls ein- und ausging und die einen ähnlich reichen Niederschlag in seinem Werk gefunden haben.

Im letzten Jahr widmete das Robert-Sterl-Haus in Kooperation mit der Familienstiftung Ernst Edler von Schuch der Künstlerfreundschaft von Robert Sterl und dem Generalmusikdirektor der Dresdner Hofoper, Ernst Edler von Schuch, anlässlich dessen 175. Geburtstages eine vierwöchige Sonderausstellung. Damit präsentierte es gewissermaßen die Ouvertüre zur diesjährigen Sonderausstellung, die ein umfassenderes Bild des „musikalischen“ Werkes von Robert Sterl vorstellt und auch bisher kaum bekannte Werke des Künstlers zeigt, wie z.B. die in Öl auf Leinwand ausgeführte Darstellung eines Organisten aus Herrnhut aus dem Jahre 1904.

Robert Sterl war ein Kenner der Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. Er war begeistert von klassischer Musik und auch den moderneren Strömungen gegenüber aufgeschlossen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts herauskristallisierten. Darüber hinaus verbanden ihn teils enge Freundschaften mit namhaften Musikern seiner Zeit, was ihm den Zugang zur Musikszene der damaligen Zeit erleichterte. Zu den Personen, die in der Ausstellung wieder zu finden sind, zählen beispielsweise Henri Petri, Ernst von Schuch, Richard Strauss, Arthur Nikisch, Felix Draeseke, Max Reger, Alexander Skrjabin, Sergei Rachmaninoff oder Clothilde von Derp.

Es gelang ihm als Maler, Grafiker und Zeichner einen wichtigen Beitrag zum Impressionismus zu leisten, aber auch Musikgeschichte zu konservieren und diese Welt bis heute erfahrbar zu halten – im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung im Robert-Sterl-Haus sogar in einem authentischen Umfeld. So ist die Ausstellung auch nicht allein auf die Sonderausstellungsfläche des Hauses beschränkt, sondern ebenfalls in die ehemaligen Wohn- und Arbeitsräume des Künstlerdomizils eingebunden. Gezeigt werden 30 Darstellungen von Komponisten, Dirigenten, Pianisten, Kammermusikern, Orchestermitgliedern, Sängerinnen, Ausdruckstänzerinnen und Operndarsteller*innen und bilden damit das Kaleidoskop der damaligen Musikszene ab, in der sich Sterl künstlerisch und gesellschaftlich bewegte. Hierbei rangiert das Feld von klassischen Porträts bis zu Bewegungs- und Instrumentenstudien, von Ölgemälden bis Zeichnungen, ergänzt durch Briefe und zeitgenössische Fotografien und Postkarten, die uns zu einem großen Teil aus dem Privatbesitz der Urenkelin und Sprecherin der Familienstiftung Ernst Edler von Schuch, Frau Martina Damm, zur Verfügung gestellt worden sind.

Weiterhin werden die Zugänge deutlich, über die Robert Sterl den Kontakt zur Musikszene erhalten hat. Von Bedeutung waren hier vor allem die Freundschaften zum Musikverleger Nikolai von Struve – Ehemann einer ehemaligen Schülerin von Sterl -, dem Konzertmeister der Königlich Sächsischen Hofoper, Henri Petri, und dem Generalmusikdirektor derselben, Ernst Edler von Schuch.

Der Großteil der Ausstellung wird durch Bestände aus dem Besitz des Robert-Sterl-Hauses in Naundorf bestritten. Es bereichern jedoch, wie bereits angedeutet, auch einige Leihgaben die Ausstellung, für die an dieser Stelle ausdrücklich gedankt sei. Abgesehen von den bereits weiter oben erwähnten Objekten ermöglicht die Leihgabe des von Robert Sterl gemalten Porträts des Komponisten Felix Draeseke von 1907 aus dem Besitz der Städtischen Galerie Dresden die gleichzeitige Präsentation mit einer Vorzeichnung aus dem Robert-Sterl-Haus. Das gleiche gilt für die Leihgabe aus dem Jahr 1911, die wir freundlicherweise aus dem Besitz des Kulturhistorischen Museums Görlitz‘ zur Verfügung gestellt bekommen haben und Ernst von Schuch den „Rosenkavalier“ dirigierend zeigt.

Für knapp acht Jahre bildete das weite Feld der Musik einen reichen Fundus an Motiven für Robert Sterl. In den ersten Monaten des Jahres 1914 starben dann mit Henri Petri und Ernst von Schuch zwei gute Freunde von Robert Sterl kurz hintereinander. Im Juli brach der Erste Weltkrieg aus, der nicht nur Robert Sterls Welt grundlegend verändern sollte. Mit dem Tod seiner Freunde und dem Krieg wurde dem von Musik geprägten Lebens- und Werkabschnitt nachhaltig ein Ende gesetzt.